PLOT 03-06

Tianjin, China

Das Grundstück liegt innerhalb, als Auftakt des sich rasch entwickelnden Financial District Binhai in der chinesischen Stadt Tianjin.

Aus der „alten Stadt“ und dem neuen Bahnhof der China Highspeed Railway her kommend, ist der ca. 190 Meter hohe Turm bereits von weitem sichtbar und lenkt somit in das Grundstück, welches im südlichen Teil an einen der eingeschobenen Parks des Masterplanes grenzt. Dieser Park ist auch gleichzeitig der Auftakt zur oberirdische Highstreet des Shoppingangebotes im Quartier. Diese Highstreet erstreckt sich bis in den Süden des Entwicklungsgebietes. Unter der Highstreet gelegen, erstreckt sich die Lowerstreet im Untergeschoss im gleichen Ausmass. Diese beiden Shopping Meilen bilden die Aorta des gesamten Quartiers. Flankiert wird die Aorta mit verschiedensten Hochhäusern mit unterschiedlichsten Nutzungen.

Im Norden des Grundstücks verläuft die Hauptverbindungsstrasse, welche die gesamte Halbinsel Binhai erschliesst. Die Achse wird in den kommenden Jahren noch mit einer Metro-Linie, vom neuen Bahnhof her kommend, ergänzt.

Im Westen des Grundstücks grenzt direkt das neue Kongresszentrum an, welches in den kommenden Jahren stark an Bedeutung gewinnen wird.

Das städtebauliche Konzept der Architekten innerhalb des Plots sieht ein Ensemble aus drei Hochbauten (Hochhaus, Hotelgebäude, Shopping-Center) vor, welche ausserhalb deren Footprints mit einer Erweiterung der Hotel- und Shopping-Center-Nutzung im Erd- und 1. Obergeschoss in einem grosszügigen und offen gestalteten Raum miteinander verbunden sind. Die Dachaufsicht der Erweiterung im 2. Obergeschoss dienst ebenfalls der Verbindung aller drei Gebäude sowie aber auch als Freiraum unter freiem Himmel und somit als Garten für das Hotel, das Boardinghouse im Turm sowie des im Turm integrierten Studentenwohnheims.

Die Gestaltung der einzelnen Gebäudeteile unterscheidet sich in einer geschlossenen und vertikal orientierten Fassade des Hochhauses, welche dunkel gehalten ist und einer offenen und horizontalen gestalteten Fassade des Hotelbaus und des Gebäudes für das Shopping-Center, welche auch mit der hell gestalteten Fassade als Gegenpol zum Hochhaus wirkt, aber dennoch durch den gesamthaft rasterartigen Fassadeneindruck alle Gebäude miteinander verbindend erscheinen lässt, so dass ein Ensemble steht. Das Ensemble ist im überhöhten Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss freizügig und offen in Form einer Erweiterung und gleichzeitiger Verschmelzung der einzelnen Nutzungen über das Ensemble hinweg verbunden und wird somit zum Mittelpunkt und auch Treffpunkt innerhalb der Überbauung.

Der Zwischenbau durchzieht die Freiräume zwischen den einzelnen Gebäudeteilen in einer offenen und transparent gestalteten Glasfassade, welche bei den Hauptzugängen leicht gegenüber den Aussenkanten zur Grundstücksgrenze hin zurückversetzt ist.

Die Erd- und Sockelgeschosse des Hotelbaus, aber auch des Shopping-Center sind als Schaufensterfronten ausgebildet, um somit Verkaufsfläche aber auch eine Öffnung des Hotelgebäudes hin zum Park im Süden des Grundstücks zu generieren. Damit werden Besucher und Gäste, welche von der Highstreet und auch dem Park her kommen in das Ensemble gelenkt, nahezu hineingezogen, um somit die optimale Orientierung der öffentlichen Bereiche bereitzustellen um damit wiederrum eine optimale Ausgangslage zur Vermarktung der einzelnen Gastronomiebetriebe und Ladengeschäfte bereitzustellen.

Der Zwischenbau wird somit zu einer Art Marktplatz an welchem verschiedenster Gastronomiebetriebe und Geschäfte angesiedelt sind, welche homogen aus den einzelnen Footprints der Gebäude in die Freifläche des Marktplatzes einfliessen. Die homogen gerasterte, vorgehängte Steinfassade hat eine markante Konstruktionstiefe, dies dient neben gestalterischen Überlegungen auch der Beschattung und Einsichtsproblematik.

Die fünfte Fassade des Zwischenbaus dient nicht nur der natürlichen Beleuchtung, sondern auch der Verbindung der einzelnen Gebäudeteile unter freiem Himmel. Die grossen Dachgärten des Hotelbaus und des Shopping-Center beginnen sich bereits auf Niveau des 3. Obergeschosses vertikal zu entwickeln. Dabei entstehen immer wieder interessante und spannenden Ein-und Ausblicke aufgrund der durchlaufenden Fassadenstrukturen, welche dann auch im „Dach“ der Gärten unter freiem Himmel konsequent fortgesetzt werden.

 

Die Fassaden unterscheiden sich sowohl in deren Orientierung - horizontal und vertikal, in ihrer Farbgebung - hell und dunkel - als auch in ihrer Materialität - Stein und Metall. Dabei bilden diese aber, gerade auf Basis der Unterschiede, Gemeinsamkeiten wie beispielsweise die Orthogonalität und Proportion des Rasters.

Während das Hochhaus mit einer dunklen, nahezu schwarzen, Metall-Glas-Fassade auffällt sind das Hotelgebäude und das Shopping-Center mit einer Rasterstruktur aus weissem Marmor ausgestaltet. Die weisse Fassade mit ihren vielen und grosszügigen Verglasungen orientiert sich vollends zum Park hin und lässt somit das Grün der Natur in der Fassade spiegeln und bis in die Hotelzimmer hineinfliessen.

Die dunkle und eher geschlossene Fassade des Hochhauses orientiert sich zur stark befahrenen Strasse im Norden des Grundstücks und trägt durch den geringeren Glasanteil zum Lärmschutz der Wohnungen gegenüber dem Strassenlärm bei. Gleichzeitig verfügen alle Wohnungen noch über genügend Fenster um diese hell und freundlich erscheinen zu lassen. Die Bewohner profitieren, insbesondere bei den Grosswohnungen welche an den sechs Gebäudeecken orientiert sind und somit eine 270 Grad Aussicht bieten, von den dennoch grosszügigen Fensterflächen von einer herrlichen Aussicht auf das gesamte Quartier, die Dachgarten und vor allem auf den Fluss.

Ab dem 10. Obergeschoss erstreckt sich das Boarding House bis in das 48. Obergeschoss mit Wohneinheiten zwischen 2.5 Zimmern und 5.5 Zimmern.

Jede einzelne Wohneinheit ist klar strukturiert und bietet in jedem Zimmer ausreichend Platz, um eine gute und sinnvolle Möblierung bereitzustellen. Die Materialien und Farben der einzelnen Elemente wie Küchen, Bäder, Einbauschränke sind dabei über alle Wohnungen gleich in Qualität und Architektur. Die grösseren Wohnungen verfügen über teilweise mehrere Nasszellen und Sonderräume wie Reduits oder auch einen Weinkeller.

Alle Wohnungen sind sehr gut natürlich belichtet und geben, gerade in den höher liegenden Geschossen, herrliche Ausblicke auf das Quartier und den Fluss. Aus den obersten Geschossen kann bis zum Meer gesehen werden.

Das Hotel wurde mit dem Anspruch an eine 5-Stern Klassifizierung konzipiert. Dabei unterstützt wurden die Architekten durch den renommierten Innenarchitekten IDA14 by Karsten Schmidt.

Die Zimmer sind liebevoll und lebendig gestaltet, so dass der Gast ein Maximum an Freiheit und Komfort erfahren wird. Die Zimmer sind fast alle hin zum an den im Süden angrenzenden Park hin orientiert, so dass ein Höchstmass an Erholung und Aussenbezug in der Gestaltung der Zimmer umgesetzt wird.

Der Zugang zum Hotel erfolgt strassenseitig im Westen und Süden des Grundstücks, aber auch direkt aus dem Zwischenbau heraus, in welchem die Lobby und die Rezeption Bestandteil des Marktplatzes wird und somit bestens erreichbar ist.

Das Zimmerangebot wird ergänzt durch die typischen ergänzenden Nutzungen eines 5-Stern-Hotels, wie Bar, Konferenzbereich, Wellness inklusive einem Schwimmbad im Dachgarten des Shopping-Center und Fitness, aber auch einem breiten Gastronomieangebot, gipfelnd im hauseigenen Dachgarten, welcher sich vertikal über sechs Geschosse hin erstreckt und fleissend vom Atrium her entwickelt ist, in welchem sich auch Platz für das Frühstück und die Hotelbar befindet.

Das Shopping-Center erstreckt sich zum Wesentlichen im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss aller drei Gebäudeteile, aber vor allem auch als verbindendes Element im Zwischenbau.

Das Konzept beruht auf einen frei durchströmten Raum, welcher zwischen der charakteristischen Rasterstruktur aller Gebäude aber auch im Bereich des Zwischenbaus ineinander verschmilzt und so ein Höchstmass an Flexibilität, sei es in Form der Nutzungen wie Gastronomie oder Ladengeschäft, aber bei der Unterteilung der einzelnen Einheiten, ermöglicht.
Das Shopping-Center ist hin zur Highstreet im Osten und dem Park im Süden des Areals orientiert und öffnet sich mit einladenden grossflächig verglasten Schaufensterflächen und zurückversetzen Haupteingangsbereichen. Im Untergeschoss ist das Shopping-Center durch eine direkte Verbindung mit der Ladenstrasse des gesamten Entwicklungsgebietes und somit auch an die Kundenströme und die später entstehende Metrolinie angeschlossen. Ein direkter Zugang aus der Tiefgarage ist vorhanden. Beides führt zu einer idealen Ausgangsituation in Sachen Erreichbarkeit aller Gewerbeeinheiten und Restaurants.

Die offene Struktur des Zwischenbaus erlaubt eine freie und individuelle Einteilung der einzelnen Gewerbeeinheiten. Durch die grosszügige Verkleidung des Stützenrasters verschwinden diese innerhalb der Fläche und der Verkaufsraum umfliesst das Stützenraster, dessen Verkleidung direkt als Verkaufsregal oder als raumteilendes Element verwendet werden kann.

Die vielen kleinen und grossen Öffnungen innerhalb der Decken erlauben auch Blickbeziehungen zwischen den beiden Geschossen und lassen interessante und aufregende Perspektiven zu, welche den Kunden das Gebäude als nicht langweilig erwirken lässt und somit die Aufenthaltsdauer im Shopping-Center verlängert, was sich positiv auf die Umsätze der Ladengeschäfte und Gastronomiebetriebe auswirkt.

Wettbewerb
1. Rang
Bauherr
TIANJIN JINJI REAL ESTATE DEVELOPMENT CO. LTD.
Bauzeit
2018 - 2019
GF
101'200 m2
ARGE mit
IDA14 by Karsten Schmidt