Neubau Pflegewohnhaus Mettenweg

Stans, Schweiz

Das Haus als Weg und Platz

Das Haus soll ein Ort sein, den man, gleich eines Mikrokosmos, immer wieder aufs Neue entdeckt. Räume, Raumsequenzen, Sitznischen und Aussenräume sollen ganz selbstverständlich zum Verweilen, zum Begegnen und zum Beleben einladen. Der Artikel „Das Haus als Weg und Platz“ von Josef Frank aus dem Jahre 1931 beschreibt treffend und anschaulich, wie Raumabfolgen, Wegeführung und Raumdimensionen auszulegen sind, um einer Anonymität und Gebrauchsfeindlichkeit vorzubeugen. Gleich einem roten Faden begleiteten diese Gedanken den Entwurfsprozess kontinuierlich und liegen dem Grundriss- und Raumkonzept interpretativ zu Grunde.

Setzung & Ortsbild– Das fehlende Puzzleteil

Das Gebäudeensemble am Mettenweg hat den Charakter einer dörflichen Einheit.So ordnen sich um einen zentralen Erschliessungsraum gewachsene, und zueinander richtungs-indifferente, fast zufällig positionierte Gebäudestrukturen aus verschiedenen Epochen an. Im Nordosten des heutigen Dorfgefüges jedoch klafft eine Lücke, die der Neubau des Pflegewohnhauses, gleich einem fehlenden Puzzleteil, harmonisch, sensibel und komplettierend schliesst.Die baulichen Aussengrenzen des Gebäudeensembles sind geprägt durch Rücksprünge, Raumtaschen und Durchwegungen ins Areal-Innere. Gleich einer Grafik Eduardo Chillidas wird das Prinzip des verspringenden Perimeterverlaufs aufgegriffen und durch die präzise Setzung des Gebäudes fortgeführt. Der dreigliedrige Neubau schliesst und „vernäht“ den äusseren Rand des Ensembles, sodass sich eine klare Differenzierung zwischen ausserhalb und innerhalb der Arealräume ergibt. Der dörfliche Zwischenraum wird durch den Gebäudekörper in klar ablesbare und versatile Raumtypologien, wie Dorfplatz, Brunnenhof und Garten gegliedert. Auf die Masstäblichkeit des denkmalgeschützten Wohnhauses Mettenweg, Centro und Gaden reagiert der Neubau durch korrespondierende Gebäudeproportionen der drei Gebäudeflügel.

„Vom Orte lernen“ – Entwurfskonzept

Das architektonische Konzept basiert auf dem Gedanken des „kontextuellen Weiterbauens“.

In der Übersetzung von Alt-bewehrtem zu Neu-Interpretiertem steht das bestehende Wohnhaus Mettenweg Pate. Es ist das „Original“ und Referenz zugleich, derer atmosphärischen und typologischen Attribute als architektonische und suggestive Querverweise in dem Neubau aufgenommen und umgesetzt werden. - Die Dickwandigkeit der schützenden Mauern, tiefe Fensterlaibungen, eine holzverkleidete Stube, der knarrende Boden, sowie die zentrale Stiege stehen exemplarisch für atmosphärische Zutaten, die das neue zu Hause mit dem Alt-Bekannten verknüpfen.

Im Zentrum des Hauses, an der Schnittstelle der drei Volumen befindet sich der zentrale, helle Erschliessungsraum. Der hohe Lichthof ist Ort der Begegnung, des Ankommens, des Verweilens und der geschossübergreifenden Sichtbezüge. Als Homage an das alte Wohnhaus Mettenweg wird der vertikale Raum durch eine dicke Wand gefasst, aus der Treppen, Nischen, Türen, Garderoben und Kastenfenster subtraktiv und mit tiefer Laibung ausgestanzt sind. Die drei Nutzungseinheiten im Erdgeschoss - Verwaltung, Begegnungsraum und Fremdnutzung - ordnen sich kompakt um diesen Void an.

Das Gebäude lehnt sich in seiner Materialisierung und der tektonischen Gliederung an den ortstypischen Vorbildern der Nachbargebäude an. Die öffentlichen Nutzungsbereiche im Erdgeschoss sind durch Betonsockelzonen gekennzeichnet, während sich die Wohnbereiche durch eine vertikal gegliederten Holzfassade nach Aussen hin abzeichnen.

Die Einordnung in Massstab und Gebäudehöhe wird unterstützt durch das tektonische Zusammenbinden zweier Geschosse. Diese Klammerung wird durch das Instrument der Geschossplattenbetonung und der Staffelung verstärkt.

Status
Wettbewerb
Wettbewerb
Projektwettbewerb
GF
3'604 m2
GV
14'530 m3
Jahr
2018
Typologie
Pflegeheim
Land
Schweiz
Stadt
Stans

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